Donnerstag, 29. September 2016

Tut Alkohol dem Herzen wirklich gut?

Herz-Kreislauf-Sterblichkeit

Tut Alkohol dem Herzen wirklich gut?

Dieser Frage widmete sich eine über 20 Jahre laufende Studie.
Wohl doch kein Schutz für´s Herz
Eine aktuelle Studie hat keinen Hinweis darauf gefunden, dass sich mäßiger Alkoholkonsum günstig auf die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit auswirkt.
© volff/fotolia.com
ROM. Eine über 20 Jahre laufende dänische Studie mit fast 19.000 Krankenschwestern ("The danish nurses' cohort study") lieferte nach der Bereinigung um Gesundheits-, Lebensstil- und psychosoziale Faktoren keine Hinweise auf einen signifikanten günstigen Zusammenhang zwischen niedrigem oder moderatem Alkoholkonsum und der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit.
Kombinierter Endpunkt war die Schlaganfall-, Herzinfarkt- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit, teilt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zum Europäischen Kardiologiekongress (ESC) in Rom mit. Die Studienautoren fanden auch keinen signifikanten Zusammenhang zwischen niedrigem bis mittlerem Alkoholkonsum mit den separaten Endpunkten Schlaganfall und Herzinfarkt.

Täglich 150 ml Wein

Ausgewertet wurden Fragebögen zum Alkoholkonsum in Kombination mit dem dänischen Diagnose-spezifischen Krankenhausentlassungs-Register, Todesursachen und Gesundheitsstatus.
Eine auf dem ESC-Kongress präsentierte Studie aus Israel und den USA untersuchte den Einfluss moderaten Alkoholkonsums auf das Fortschreiten der Atherosklerose der Karotis bei Patienten mit gut kontrolliertem Typ 2-Diabetes, die ansonsten keinen Alkohol zu sich nahmen.
Während der zweijährigen Untersuchungsdauer der CASCADE-Studie erhielten die Probanden täglich entweder 150 ml Mineralwasser, Weißwein oder Rotwein, heißt es in der DGK-Mitteilung. Alle Teilnehmer hielten eine mediterrane Diät ohne Beschränkung der Kalorienzahl ein.

Gesamt-Plaque-Volumen zeigt keine signifikante Veränderung

Zu Studienbeginn sowie nach zwei Jahren wurden das Gesamt-Plaque-Volumen der Halsschlagader und das Gefäßwandvolumen mittels 3D-Ultraschall gemessen. Es lagen verwertbare Ultraschall-Bilder von 174 Patienten vor, bei der Erstuntersuchung wurde bei 55 Prozent Plaque in der Halsschlagader gefunden.
Das durchschnittliche Gesamt-Plaque-Volumen veränderte sich in der Gesamtgruppe nicht signifikant, ebenso wenig in den Kontrollgruppen. Allerdings ergab eine Detailanalyse der 78 Patienten mit zu Studienbeginn feststellbarer Plaque, dass im Drittel mit der stärksten Plaque der Weinkonsum mit einer etwas stärkeren Plaque-Reduktion assoziiert war. Bezüglich des Gefäßwand-Volumens zeigten sich keine signifikanten Veränderungen in den drei Gruppen. (eb)

Schlaganfall zerstört soziale Kontakte

Britische Studie

Schlaganfall zerstört soziale Kontakte

LONDON. Ein Schlaganfall kann sich negativ auf das soziale Netzwerk einer Person auswirken, haben Forscher der City University London dokumentiert (JSLHR 2016; 59: 772-783).

Der Kontakt zu den Kindern und Verwandten blieb ziemlich stabil, heißt es in einer Mitteilung zur Veröffentlichung der Studie. Allerdings berichteten viele Überlebende eines Schlaganfalls, dass sich die Zahl der Freunde, die sie sahen, signifikant reduzierte. Vor dem Schlaganfall sagten 14 Prozent, dass sie einen oder keinen Freund hätten; sechs Monate nach einem Schlaganfall stieg diese Zahl auf 36 Prozent, wobei 20 Prozent angaben, gar keinen engen Freund zu haben.

Das Team der City University befasste sich mit 87 Überlebenden von zwei Schlaganfallstationen in London. Sie führten mit den Teilnehmern zwei Wochen, drei Monate und sechs Monate nach dem Schlaganfall eine Befragung durch und analysierten dabei Kriterien, wie soziale Beziehungen einschließlich Frequenz der Kontakte zu Freunden sowie Verwandten und Zufriedenheit bezüglich dieser Kontakte.

Ein Faktor, der die Personen besonders dem Risiko des Kontaktverlusts zu ihrem sozialen Netzwerk aussetzt, ist die Aphasie, heißt es in der Mitteilung. Bei etwa 15 Prozent der Überlebenden eines Schlaganfalls ist die Aphasie ein Zustand, der ein Leben lang anhält und Grund für viel Frustration ist. Neuste Forschungen weisen darauf hin, dass dies die Fähigkeit der Person, zufriedenstellende soziale Beziehungen aufrechtzuerhalten, erschweren kann, sogar mehr als die Schwere des Schlaganfalls oder die körperliche Einschränkung. (eb)